Bei schwierigen Entscheidungen fällt zuerst fast immer derselbe Satz. Man brauche mehr Informationen. Bei einem Teil der Fälle stimmt das. Bei den meisten liegt das eigentliche Problem woanders.
Was längst vorhanden ist, läuft bereits durch eine bestimmte Brille. Eine Annahme wird ein paarmal wiederholt und gilt irgendwann als Tatsache, ohne daß sie je genau angesehen wurde.
Wenn ein Text überzeugend klingt, ist er noch nicht geprüft
Am deutlichsten zeigt sich das gerade bei Antworten aus KI-Systemen. Ein Text, der flüssig und gut begründet klingt, wirkt wie geprüft. Er liest sich nur so. Die Flüssigkeit der Formulierung sagt nichts über die Richtigkeit der zugrundeliegenden Annahme aus.
Eine weitere Präsentation ändert daran wenig. Auch eine weitere Analyse ändert daran wenig, wenn die Grundannahme selbst nie befragt wurde. Mehr Material auf einer ungeprüften Basis vergrößert nur die ungeprüfte Basis.
Die eigentliche Frage bei einer Entscheidung
Bei strategischen Entscheidungen bleibt Unsicherheit oft bestehen, das läßt sich nicht wegprüfen. Was sich prüfen läßt, ist etwas anderes. Ob die Grundlage einer Entscheidung tatsächlich stimmt, ganz gleich, ob sie von einem Kollegen stammt oder von einer Maschine.
Das verlangt eine andere Gewohnheit als das Sammeln von noch mehr Input. Es verlangt die Bereitschaft, bei einer Annahme innezuhalten, die sich schon vertraut anfühlt, und sie noch einmal von vorne anzusehen.
Wer diese Gewohnheit trainiert, verändert die Qualität einer Entscheidung stärker, als es jede zusätzliche Informationsquelle könnte.